Von der Galerie zum Archiv – ein Brief

Liebe Freundinnen und Freunde meiner Galerie!

Sie kennen diese Briefe, in denen eine Galerie Abschied nimmt von denen, die ihr treu verbunden waren und es bis heute sind. Zur schönsten Erfahrung gehört, von Ihren Gesichtern die Spannweite der Reaktionen abgelesen zu haben, wenn Sie die Galerie besuchten. Ihr spontanes Interesse an einem Objekt, die schwankende und abwartende Haltung, die verweigernde und die zupackende Entscheidung. Ein Galerist spürt förmlich am Schritt des die Galerie betretenden Besuchers, womit er rechnen darf.  Die Hochs und die Tiefs, die dabei zustande kommen, die Kommentare zu bestimmten Objekten, vor allem die unverbrauchten Interpretationen, – das alles bewegt, beunruhigt und befördert den Galeristen, wenn er zugleich Kunstliebhaber bleibt. Und: Natürlich verletzt es seine Passion, wenn Unverständnis oder gar schroff vernichtende Kritik ein ausgestelltes, zum Verkauf angebotenes Bild trifft.

Das, wie überhaupt der mit Ihnen zustande gekommene dialogische Umgang mit Kunst, er wird mir fehlen. Aber es wird Neues gewonnen: Mit kunstwissenschaftlicher Begleitung sollen die Galeriebestände, die wichtigen Korrespondenzen und die mit der Stiftung für das Chemnitzer Museum in Zusammenhang stehenden Materialien geordnet und sinnvoll aufgearbeitet werden. Ein Gunzenhauser-Archiv wird entstehen. Das voran zu bringen, ist mir ein Bedürfnis, und dies wäre parallel zur Galeriearbeit nicht zu leisten.

Mit diesen Zeilen also kündige ich an, am Ende dieses Jahres meine Galerietätigkeit zu beenden. Nachdem ich 1956 zum Diplomvolkswirt ausgebildet worden war, in Graz 1958 zum Doktor  rer. pol. promoviert wurde, danach eine Büromaschinenfirma in Saarbrücken leitete, trat ich 1962 als Angestellter in die Galerie Gerd Rosen zu Berlin ein, um genau vor 50 Jahren eine eigene Galerie auf der Türkenstraße in München zu eröffnen. Elf Jahre später folgte der Umzug in die Maximilianstraße 22, wo sich nicht ganz ohne meinen Einfluß eine Art Kunstmeile entwickelte. Das Eckhaus gegenüber der Staatsoper gewann mit seinem Charme und mit der lebhaften Kommunikation in den wunderbaren Räumen viele Menschen, vor allem kreative und inspirierende Künstler. 2000 zog ich mit der Galerie in die Mauerkircherstraße, wo ich seither mit einer Vielfalt von Ausstellungen die Arbeit fortsetzte.

Wenn ich mich nun als 87-Jähriger verabschiede, so tue ich es mit einem herzlichen Dank gegenüber den Künstlern und gegenüber den Mitarbeitern, die an meiner Seite standen. Ich tue es aber auch Ihnen gegenüber, die Sie mit meiner Galerie verbunden waren und die Sie das Gunzenhauser-Museum in Chemnitz ins Herz geschlossen haben. Möchten Sie weiter von der Kunst in ihren staunenswerten Dimensionen angeregt werden!

Seien Sie freundlich gegrüßt
von Ihrem

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